Zbynek Sekal

30.Sep. 2016
Zbyněk Sekal und seine magische Verschwiegenheit

Zbyněk Sekal wurde am 12. Juli 1923 in Prag geboren und ist am 24. Februar 1998 in Wien gestorben. Während seiner Schulzeit hat er Kontakt zum Sporilov Kreis junger Surrealisten. Er wird im November 1941 von den Nazis verhaftet und nach Gestapo-Haft in die Konzentrationslager Theresienstadt und Mauthausen als politischer Häftling gebracht.Von 1945 bis 1950 studiert er an der Hochschule für angewandte Kunst in Prag unter Frantisek Tichy und Emil Fila. Er ist als Journalist und Übersetzer von Autoren (z. B. Franz Kafka) und Romanen der Weltliteratur tätig, davon einige Jahre in Preßburg.


Sekal emigriert nach dem Einmarsch der Truppen des Warschauer Pakts und dem Ende des Prager Frühlings 1969 nach Westberlin und von dort 1970 nach Wien, wo er im Künstlerkreis der Galerie im Griechenbeisl Anschluss an die hiesige Szene , erste Ausstellungsmöglichkeiten findet und nach Teilnahme an verschiedenen Symposien ( z. B. Bildhauersymposium Sankt Margareten, eingeladen von Karl Prantl) immer mehr bekannt wird.


Werke des stillen, zurückgezogen agierenden Künstlers, der von 1972 bis 1974 an der Kunstakademie in Stuttgart unterrichtete, befinden sich in der Nationalgalerie Prag und in verschiedenen anderen tschechischen Museen, in Japan und in bekannten österreichischen Museen. 1984 erhielt Sekal den Preis der Stadt Wien für Bildhauerei.


Sekal ist ein Sammler. ein Auf-Heber von Fundstücken und ein exzellenter Handwerker. Sein meist gesenkter Blick lässt ihn Alltagsgegenstände finden - am Boden, auf der Strasse, in und um Produktionsstätten, in der Natur, beschädigt und demoliert, aber mit ästhetischer Qualität.


Konzentriert auf die plastischen Qualitäten und mit viel Gefühl für die unterschiedlichen Materialien wie Hölzer, Bleche, Nägel, Schrauben, Nieten und Stadtteile, setzt er akribisch und streng auf den ästhetischen Endzweck ausgerichtet diese ausgemusterten Zeugnisse menschlicher Existenz zu verschiedenen Oberflächen zusammen. Die unterschiedliche Patina der Materialien wirkt wie Malerei, es entstehen Metaphern für die hohe Verbrauchsgeschwindigkeit unserer Konsumgesellschaft und ihre Verschwendungssucht.Reliefartig stellt er der schnellenVeränderung das Bleibende, Beständige reduktiv in den zusammengesetzten Bildern gegenüber.


Die Aura, die diese Arbeiten umgibt, steigert er noch in seinen "Gerüsten" und "Schreinen". Diese stehen in ihrer Materialität in der Tradition der Ready-mades des Marcel Duchamp. Er formt Fundstücke aus dem Sperrmüll zu vertrauten Dingen und stellt sie in einen Kontext, der den Betrachter verunsichert. Die Verfremdung lässt Spielraum für verschiedenste Interpretationen. Ein Kern aus Alltagsgegenständen erhält durch eine handwerklich meisterliche Umhüllung, ein geometrisch aufgebautes Gerüst, eine fast sakrale Aura. Es entsteht eine unterstützende, strenge, architektonische Form, die den Kern wie eine Reliquie vor zu nahem Kontakt schützt und das Objekt agrarisch bekleidet. Das anonyme Massenprodukt wird hier wieder aus- noch eingegrenzt, es bleibt uns nicht "verschlossen", sondern öffnet uns einen Raum der Kontemplation und spürbarer Magie. Alltagsobjekte werden zu Ikonen. Gerade die erzeugte Distanz zieht uns in ihren Bann und lässt uns nachdenken. Es ist nicht verwunderlich, dass Sekal Arbeit auch in Japan solchen Anklang findet. Sie erinnert an shintoistische Schreine.

Text von Thomas Mark aus dem Sammlungskatalog "Zeitgenössische Kunst II" des Museums Liaunig, Neuhaus / Suha

 

Fotos (c) Andrea Pellner


artmark Galerie

Wien

Palais Rottal

Singerstraße 17

Tor Grünangergasse 

A-1010 Wien

T: +43 664 3948295
M: wien@artmark.at

Blog

Imagine space - Künstler anwesend
Am Samstag, den 13. Mai 2017 werden in der artmark galerie die Künstlerin und Künstler der aktuellen Ausstellung anwesend sein. Bekanntlich bestreiten Barbara Höller, Guido Kucsko, Manfred Makra, Josef A. Moser und Franz Riedl diese: Von 11 ... mehr

Austellungen & Events

Kressnig Kohl
Eröffnung der Ausstellungen   Eric Kressnig - 195   und   Franz Stefan Kohl - Between Gesture and Geometry     Freitag, 24. November 2017, 19 Uhr   Eröffnung: Dr. Reinhold Spieler, Direktor Sprengel-Museum Hannover mehr
artmark wurde mit folgenden Awards ausgezeichnet
  • reddot award 2016
    communication design
  • Awwwards 2016
    Special Mention
  • CSS Design Awards 2016
    Special Kudos
  • Green Panther 2016
    Nominee
  • WebAward 2016
    Best Arts Website
Einig Europa
Übersicht der gesammelten Werke & Künstler
Kunstwerke / Künstler
Die artmark Galerielinie
Über uns